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PROTECTS
18.08.2018 :: English :: Druckversion
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Status des Projekts

Das deutsch-indonesische Tsunami-Frühwarnsystem für den Indischen Ozean (GITEWS) wurde am 29. März 2011 vollständig an Indonesien übergeben. Der verantwortliche Betreiber des Systems ist seitdem der Meteorologische, Klimatologische und Geophysikalische Dienst (BMKG) in Jakarta. Seit der Inbetriebnahme wurden mit dem Warnsystem in Indonesien tausende Erdbeben und mehr als zehn Tsunami erfolgreich registriert. Erdbebenmeldungen und Tsunami-Warnungen werden in weniger als fünf Minuten nach einem Beben ausgegeben, gefolgt von Aktualisierungen oder einer Entwarnung.

GITEWS wurde erfolgreich abgeschlossen. Es kann sehr schnell und präzise warnen oder entwarnen, auch seine gegebene Ausbaufähigkeit für den gesamten Indik ist Teil dieser Entwicklungsarbeit. Im Warnzentrum in Jakarta arbeiten über 30 Personen im 24/7/365-Schichtdienst. Das System wurde international evaluiert und dabei als eines der modernsten Tsunami-Warnsysteme weltweit eingestuft.
Das ist das Ergebnis einer großen Anstrengung seit der Katastrophe von 2004.

Phase GITEWS (2005 bis 2011)

Am 26. Dezember 2004 um 07:58 Uhr Ortszeit (00:58 Weltzeit UT) ereignete sich vor der Nordwestspitze Sumatras das zweitstärkste bisher gemessene Erdbeben mit einer Bruchlänge vorn rund 1200 Kilometern und einer Magnitude Mw = 9,3. Mehr als 250.000 Menschen verloren ihr Leben, 5 Millionen Menschen bedurften der sofortigen Hilfe und 1,8 Millionen wurden obdachlos. Allein Indonesien hatte über 170.000 Tote zu beklagen. Deutschland war auch betroffen – 537 Staatsbürger verloren ihr Leben, der höchste Verlust nach dem 2. Weltkrieg bei einem Einzelereignis. Das Ausmaß der Katastrophe, die intensive Verwüstung weiter Regionen und das damit verbundene Leid, insbesondere in Indonesien, Thailand und Sri Lanka, sprengte alle bisher erlebten Maßstäbe. Hauptgrund für die hohe Opferzahl: es gab keine organisatorische und strukturelle Möglichkeit der Frühwarnung im gesamten Indischen Ozean.

Die internationale Staatengemeinschaft, so auch Deutschland, reagierte mit sofortiger Unterstützung. Deutschland leistete – über die sofortige Flutopferhilfe hinaus – mit dem Projekt GITEWS (German-Indonesian Tsunami Early Warning System, 2005-2011) einen wesentlichen Beitrag, das Kernstück eines integrierten, modernen, leistungsfähigen Tsunami-Frühwarnsystem in Indonesien aufzubauen. Durch das Projekt PROTECTS (Project for Training, Education and Consulting for Tsunami Early Warning Systems, 2011-2014) wurde in der Folge sichergestellt, dass die Mitarbeiter der beteiligten indonesischen Institutionen den Betrieb des Frühwarnsystems sowie die vielfältigen technischen und organisatorischen Komponenten selbstständig und in Eigenverantwortung weiterführen können.

Unter der Schirmherrschaft der Intergovernmental Oceanographic Commission der UNESCO und unter Mitarbeit internationaler Partnerinstitutionen aus Deutschland, den Vereinigten Staaten, China und Japan wurde ein Konzept für ein Tsunami-Frühwarnsystem für Indonesien entwickelt, das heute als InaTEWS (Indonesian Tsunami Early Warning System) seinen Dienst versieht. Am 11. November 2008 wurde InaTEWS vom Präsidenten der Republik Indonesien, Dr. Susilo Bambang Yudhoyono, feierlich eingeweiht.

Die Installationsphase von InaTEWS war durch die Entwicklung benötigter Hardware und Steuerprogrammen, aber auch geeigneter Strategien und Vorgehensweisen, der Entwicklung von Standards und Abläufen, charakterisiert. Als für den Betrieb des Frühwarnsystems verantwortlich erreichte der meteorologische, klimatologische und geophysikalische Dienst Indonesiens BMKG (Badan Meteorologi, Klimatologi dan Geofisika) den operativen Zustand schrittweise und über verschiedene Phasen des Systemaufbaus bis zum März 2011. Während der GITEWS-Phase (2005 bis 2011) waren eine Reihe deutscher Institutionen eingebunden, deren Aufgabe („upstream“) der technische Aufbau des Systems war. Schrittweise wurden in Pilotgebieten die lokale Verwaltung und Bevölkerung mit eingebunden („downstream“). Im Resultat entstand nach erfolgreicher praktischer Implementierung ein End-to-End Sytem.

Phase PROTECTS (2011 bis 2014)

Betrieb und Wartung des Systems und die Umsetzung eines Alarms erfordern einen hohen Grad an Kompetenz und praktischer Erfahrung. Das machte es erforderlich, wissenschaftliche und technische Mitarbeiter der Dienste BMKG und BIG (Badan Informasi Geospasial) fachgerecht in-situ auszubilden. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden mit dem Programm PROTECTS ab Juni 2011 in ausgewählten Trainingskursen, Praktika und Übungen die beteiligten Institutionen für einen nachhaltigen Betrieb von InaTEWS aus- und weitergebildet. Mehr als 192 Trainingskurse, die alle Aspekte des Betriebs und der Wartung des Tsunami Early Warning Systems abdeckten, wurden erfolgreich umgesetzt. Die Trainingskurse wurden mit dem Ziel des Capacity Developments durchgeführt: Um ein Tsunami Frühwarnsystem erfolgreich und dauerhaft aufrechtzuerhalten, müssen die Personen und Fachexperten, die das System betreiben, funktionsfähig halten und ausbauen, fortgebildet bzw. beraten werden. Auch die politischen Entscheidungsträger, die die Warnmeldungen und Reaktionen verantworten, sowie die Bevölkerung selbst müssen in den Prozess eingebunden werden..

Neben der technischen Entwicklung sind es in erster Linie „soft skills“, die trainiert wurden, um im Ernstfall die Situationen richtig einschätzen zu können und dann Entscheidungen zu treffen, die Menschenleben retten. PROTECTS hat mit der Entwicklung von Maßnahmen, Regelwerken und fachlichen Anleitungen beraten, die zur Umsetzung der BMKG-Warnungen in praktisches Schutzhandeln auf der lokalen Ebene dienen. Dazu gehören auch die Entwicklung von Risiko- und Evakuierungskarten, Programme zum Training von lokale Entscheidern und Planern sowie zur Aufklärung der betroffenen Bevölkerung.

Am 12. Oktober 2011 wurde im Indischen Ozean die Übung IOWAVE11 abgehalten, mit der  Funktionalität und Fähigkeit von InaTEWS geprüft wurde, die Rolle des Regionalen Tsunami Service Provider (RTSP) zu übernehmen. Der Verlauf der Übung und die erfolgreiche Evaluation führten dazu, dass Indonesien, neben Australien und Indien, seitdem die Doppelfunktion als National Tsunami Warning Center und als RTSP wahrnimmt und damit die Verantwortung, 28 Staaten rund um den Indischen Ozean vor einem drohenden Tsunami rechtzeitig zu warnen. Auf diese Weise wurde eine weitere wichtige Funktionsebene, Ergebnis der kontinuierlichen Weiterentwicklung und dem vollständigen Ausbau von InaTEWS, erfolgreich realisiert. Zu diesem Erfolg und der damit verbundenen internationalen Sichtbarkeit haben GITEWS/PROTECTS auf eindrucksvolle Weise beigetragen.

Blick in den Kontrollraum des nationalen Frühwarnzentrums am BMKG in Jakarta.