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PROTECTS

23.11.2014 :: English :: Druckversion
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Warnzentrum

Die Daten der zahlreichen Messinstrumente (Seismometer, Pegelstationen, GPS-Instrumente) laufen im Warnzentrum in Jakarta zusammen. Hier werden sie von spezialisierten und zum Teil neu entwickelten Sensorsystemen ausgewertet und aufbereitet.

Im Warnzentrum steht ferner ein Simulationssystem bereit, welches auf eine große Datenbank mit vorkalkulierten Tsunami-Szenarien für den Sundabogen zugreifen kann und innerhalb von Sekunden auf Basis aktueller Sensormesswerte die zutreffendsten Szenarien selektieren kann. Diese Datenbank wurde im Laufe der Jahre mehrfach aktualisiert und erweitert. Ein zweites Simulationssystem ermöglicht es, für ein nochmals größeres Abdeckungsgebiet in geringerer Detaillierung online die Tsunami-Effekte eines Seebebens zu berechnen.

Zur Unterstützung des Warnraumpersonals bei der Abschätzung, ob ein Tsunami entstanden ist, wann und wo ggf. mit welcher Wellenhöhe zu rechnen ist und ob und ggf. welche küstenspezifische Warninformationen ausgegeben werden müssen, wurde ein neuartiges Entscheidungsunterstützungssystem (Decision Support System, DSS) entwickelt und in Betrieb genommen. Das DSS verfügt über umfangreiche Datenbanken zu Geobasis-, Risiko- und Vulnerabilitätsdaten und kann anhand der vorprozessierten Sensordaten unter Nutzung der beiden Simulationssysteme ein Lagebild erstellen und Entscheidungsempfehlungen generieren. Löst das Warnraumpersonal eine Warnung aus, so erstellt das DSS entsprechende Warnprodukte, die an Katastrophenschutzbehörden, Einsatzkräfte und Medien weitergegeben werden. Die Bevölkerung kann damit schnell und gezielt gewarnt und Evakuierungsmaßnahmen können eingeleitet werden.

Die Potentiale moderner Erdbeobachtungstechnologien im Falle einer Tsunami-Katastrophe wurden anhand von Studien evaluiert.

Das System befindet sich seit 2008 in Betrieb, wurde seitdem optimiert und weiter ausgebaut. Das DSS, seit August 2010 für den Operativeinsatz freigegeben, wurde auf Basis der Einsatzerfahrungen und der Wünsche der Betreiber angepasst. So wurde unter anderem die Datenbank mit neuen Tsunami-Szenarien aktualisiert und wesentlich ausgebaut und zur Versorgung aller Anrainerstaaten des Indischen Ozeans im Oktober 2011 eine DSS-Erweiterung in Betrieb genommen, die Indonesien die Wahrnehmung der Rolle eines UNESCO/IOC Regional Tsunami Service Providers (RTSP) erlaubt.

Von diesem Arbeitsplatz werden die Warnmeldungen national und international verteilt.

Im Kontrollraum des nationalen Warnzentrums BMKG werden die Messdaten ausgewertet und im Entscheidungsunterstützungssystem aufbereitet. Dadurch lässt sich die Gefährdung einzelner Küstenabschnitte differenziert ermitteln. Der Kontrollraum ist rund um die Uhr besetzt. In jeder Schicht dieses sogenannten 24/7-Diensts arbeiten Schichtleiter, Operatoren und Support-Personal.

Deutsche Experten im Warnraum des Tsunami-Frühwarnzentrums in Jakarta führen Systemoptimierungen durch und unterstützen das Personal durch Trainingsmaßnahmen.